Du weißt längst, was du tun müsstest. Warum tust du es trotzdem nicht?
Eigentlich weißt du es.
Du weißt, dass dir Bewegung guttun würde. Dass du dieses Gespräch endlich führen solltest. Dass du dich schon seit Monaten nach einem anderen Job umschaust. Dass du Grenzen setzen möchtest. Oder dass da diese eine Sache ist, die du unbedingt ausprobieren willst.
Du hast darüber nachgedacht. Wahrscheinlich nicht nur einmal.
Vielleicht hast du sogar schon Podcasts dazu gehört, Bücher gelesen, mit Freunden darüber gesprochen und dir ziemlich genau erklärt, warum du bist, wie du bist.
Und trotzdem passiert: nichts.
Das kann wahnsinnig frustrierend sein. Vor allem dann, wenn man irgendwann anfängt, daraus eine Aussage über sich selbst zu machen:
Ich bin einfach zu undiszipliniert.
Ich ziehe nie etwas durch.
Andere kriegen das doch auch hin.
Dabei ist die spannendere Frage eigentlich eine andere:
Was passiert zwischen „Ich weiß es“ und „Ich mache es“?
Verstehen allein verändert noch nichts
Ich liebe es, Dinge zu verstehen.
Warum reagiere ich in bestimmten Situationen so? Woher kommt ein Muster? Warum fällt mir etwas schwer, obwohl ich rational genau weiß, dass es mir guttun würde?
Dieses Verstehen ist wichtig. Es kann unglaublich entlastend sein und uns dabei helfen, anders auf uns selbst zu schauen.
Nur hat es einen kleinen Haken:
Du kannst dich komplett verstanden haben und trotzdem nichts verändern.
Du kannst beispielsweise genau wissen, dass du Konflikte vermeidest, weil du Angst vor Ablehnung hast. Das bedeutet noch lange nicht, dass dir beim nächsten Konflikt plötzlich ganz entspannt ein Nein über die Lippen kommt.
Zwischen Erkenntnis und Veränderung fehlt noch etwas.
Die Erfahrung.
Und für die musst du irgendwann etwas tun, das du bisher nicht getan hast.
Warum wir Dinge aufschieben, obwohl sie uns wichtig sind
Nicht ins Tun zu kommen hat nicht automatisch etwas mit Faulheit zu tun.
Manchmal ist eine Aufgabe schlicht zu groß. Manchmal wissen wir gar nicht, wo wir anfangen sollen. Manchmal wollen wir es so gut machen, dass wir lieber überhaupt nicht anfangen.
Und manchmal schützt uns das Nichtstun auch vor etwas.
Solange ich mich nicht bewerbe, kann ich keine Absage bekommen.
Solange ich mein Bedürfnis nicht ausspreche, kann mein Gegenüber es nicht ablehnen.
Solange ich mein Projekt nicht veröffentliche, kann niemand sagen, dass es ihm nicht gefällt.
Solange ich keine Entscheidung treffe, kann ich theoretisch noch alle Möglichkeiten offenhalten.
Kurzfristig fühlt sich das oft sicherer an.
Langfristig kann genau diese Sicherheit ziemlich eng werden.
Kleiner Versuch für dich:Wenn du gerade etwas aufschiebst, frag dich nicht sofort: „Warum kriege ich das nicht hin?“
Frag dich: „Was müsste ich möglicherweise fühlen oder riskieren, wenn ich es tatsächlich tue?“
Da wird es meistens interessanter.
Du musst nicht bereit sein
Das war für mich selbst eine ziemlich wichtige Erkenntnis.
Ich habe lange geglaubt, dass irgendwann dieser Moment kommt, an dem sich eine Entscheidung komplett richtig anfühlt. Keine Angst mehr. Kein Zweifel. Dafür Klarheit, Konfetti und innerer Frieden.
Blöd nur, wenn der Moment nicht kommt.
Bei vielen Dingen entsteht Sicherheit eben nicht vor dem ersten Schritt.
Sie entsteht dadurch, dass wir einen Schritt machen und erleben: Es geht.
Und dann noch einen.
Das ist auch der Grund, warum Selbstwirksamkeit für mich so ein wichtiges Thema ist. Selbstwirksamkeit bedeutet vereinfacht gesagt die Überzeugung, durch das eigene Handeln etwas bewirken zu können.
Die entsteht nicht ausschließlich durchs Nachdenken.
Wir brauchen Erfahrungen, die uns zeigen:
Ich kann etwas tun. Ich kann Einfluss nehmen. Ich kann mit dem umgehen, was danach passiert.
Mach den Schritt kleiner. Und dann noch kleiner.
„Ich muss mein Leben ändern“ ist kein besonders hilfreicher nächster Schritt.
„Ich muss selbstbewusster werden“ übrigens auch nicht.
Beides ist so groß und schwammig, dass dein Kopf hervorragend noch drei Monate darüber nachdenken kann.
Ein konkreter Schritt wäre:
Heute die Stellenanzeige speichern.
Die Telefonnummer heraussuchen.
Eine Nachricht schreiben.
Bei einem Gespräch einmal nicht sofort Ja sagen, sondern: „Ich denk kurz darüber nach.“
Zehn Minuten an dem Projekt arbeiten, das seit Wochen auf deiner Liste steht.
Wenn du nicht ins Tun kommst, mach die Aufgabe nicht wichtiger. Mach sie kleiner.
So klein, dass dein Kopf kaum noch ein vernünftiges Argument dagegen findet.
Perfektionismus sieht manchmal verdammt vernünftig aus
Perfektionismus kommt nicht immer mit dem Gedanken „Es muss perfekt sein.“
Manchmal klingt er viel schlauer:
Ich muss mich erst noch besser informieren.
Ich fange an, wenn ich mehr Zeit habe.
Ich brauche erst einen richtigen Plan.
Ich bin noch nicht weit genug.
Und manches davon kann natürlich stimmen.
Aber irgendwann lohnt sich die Frage:
Brauche ich wirklich noch mehr Vorbereitung – oder verschiebe ich gerade den Moment, in dem ich mich zeigen oder entscheiden müsste?
Das ist nicht dasselbe.
Ich mag dafür eine ziemlich einfache Regel:
Was kann ich mit dem Wissen, das ich heute habe, bereits ausprobieren?
Nicht für immer entscheiden. Nicht perfekt machen.
Ausprobieren.
Das nimmt vielen Entscheidungen diese unfassbare Schwere.
Hör auf, auf Motivation zu warten
Motivation ist großartig, wenn sie da ist.
Ich würde mich nur nicht darauf verlassen.
Wenn ich ausschließlich an den Tagen Dinge tun würde, an denen ich vollkommen motiviert bin, wäre mein Leben vermutlich deutlich übersichtlicher.
Manchmal kommt die Motivation nämlich erst nach dem Anfang.
Du räumst fünf Minuten auf und plötzlich machst du weiter.
Du ziehst die Schuhe an und nach zehn Minuten draußen bist du froh, gegangen zu sein.
Du öffnest das Dokument mit dem Vorsatz, nur einen Absatz zu schreiben – und plötzlich ist eine Seite voll.
Der Anfang braucht deshalb nicht immer Motivation.
Manchmal braucht er einfach eine möglichst niedrige Einstiegshürde.
Kleiner Tipp: Mach nicht den Plan, etwas „morgen zu erledigen“.
Leg fest, wann und womit du anfängst.
Nicht: „Morgen schreibe ich meine Bewerbung.“
Sondern: „Morgen nach dem Frühstück öffne ich die Stellenanzeige und schreibe zehn Minuten am Anschreiben.“
Das ist wesentlich schwerer wegzudiskutieren.
Und manchmal ist Nichtstun tatsächlich eine Entscheidung
Ich finde es wichtig, auch das zu sagen.
Nicht jedes Zögern muss überwunden werden.
Manchmal kommen wir nicht ins Tun, weil etwas schlicht nicht zu uns passt. Weil wir ein Ziel verfolgen, von dem wir glauben, dass wir es verfolgen sollten. Oder weil wir gerade wirklich keine Kapazität dafür haben.
Deshalb bedeutet persönliche Entwicklung für mich auch nicht, sich permanent selbst zu optimieren und jeden Widerstand wegzuarbeiten.
Es geht darum, ehrlich hinzuschauen.
Will ich das wirklich und habe Angst davor?
Oder:
Will ich es eigentlich gar nicht?
Das sind zwei vollkommen unterschiedliche Ausgangspunkte.
Du brauchst nicht den ganzen Weg
Wenn du gerade an einem Punkt stehst, an dem du schon ziemlich lange über etwas nachdenkst, musst du heute nicht wissen, wie die Geschichte ausgeht.
Du brauchst auch keinen perfekten Plan für die nächsten zwölf Monate.
Du brauchst den nächsten Schritt.
Einen, den du tatsächlich gehen kannst.
Und danach kannst du wieder schauen.
Denn manchmal verändert sich unser Vertrauen in uns selbst nicht dadurch, dass wir endlich die richtige Antwort finden.
Sondern dadurch, dass wir uns bewegen und merken:
Ah. Ich kann das ja.
Und genau deshalb glaube ich inzwischen ziemlich fest daran:
Du musst nicht erst vollkommen sicher sein, um loszugehen. Ein Teil dieser Sicherheit entsteht erst unterwegs.
deine Nicole


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